Vielleicht kennst du das:
Du liest Nachrichten über Krieg, siehst Bilder von Zerstörung und plötzlich ist es nicht mehr weit weg.
Gedanken tauchen auf wie:
– Was, wenn das eskaliert?
– Was, wenn es uns betrifft?
– Wie sicher ist das alles eigentlich noch?
Und selbst wenn du das Handy weglegst, bleibt etwas im Körper zurück. Eine Unruhe. Ein Druck. Sorgenvolle Gedanken wie „was ist wenn“.
Und vielleicht merkst du auch: Es lässt sich nicht einfach wegmachen. Nicht durch ein paar beruhigende Gedanken. Nicht durch Ablenkung. Weil du irgendwo auch spürst, das ist nicht nur Einbildung. Da ist gerade wirklich etwas in Bewegung in der Welt.
Und das wirft die Frage auf: Wie geht man damit um, wenn etwas real beängstigend ist und man es weder ignorieren noch kontrollieren kann?
Der Dichter T. S. Eliot hat dafür ein Bild gefunden: einen stillen Punkt in einer sich drehenden Welt.
Vielleicht geht es nicht darum, diese Bewegung zu stoppen. Sondern darum, zu bemerken, dass nicht alles in dir gleich stark aktiviert wird. Solange wir nicht genau hinschauen, fühlt sich alles wie ein großer, erdrückender Angstbrocken an. Zu viel auf einmal. Es ist unruhig, eng und schwer zu greifen.
Erst wenn wir beginnen, genauer hinzuschauen, verändert sich etwas. Es bekommt Konturen. Und wir sind ihm nicht mehr ganz so ausgeliefert.
Vielleicht zeigt sich genau hier dieser stille Punkt. Nicht, weil alles ruhig ist. Sondern weil du einen Moment hat, in dem du es wahrnehmen kannst, ohne komplett davon mitgerissen zu werden.
Übung: Deine Angst ordnen
(Nimm dir ein paar Minuten. Stichworte reichen:)
1.Was genau macht dir Angst?
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2. Welche inneren Stimmen tauchen auf?
- Der ängstliche Teil „Ist das gefährlich?“ Welche Sorgen tauchen auf?
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- Um wen habe ich Angst?
- um mich
- um meine Familie/ meine Kinder
- für bestimmte Menschen
- für „die Welt“
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- Der wütende Teil „Die Welt ist krank.“ Was macht dich wütend?
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- Der vermeidende Teil „Ich will das alles nicht fühlen.“ Was tust du, um dich abzulenken oder wegzugehen?
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- Der rationale Teil „So schlimm ist es eh nicht.“ Was Versucht dieser Teil aufrechtzuerhalten?
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Übung: Wie zeigt sich meine Angst im Körper?
- Wo spürst du die Angst am deutlichsten?
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- Gibt es Bereiche, die weniger stark betroffen sind?
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- Gibt es Bereiche, die ruhig, weit oder neutral bleiben?
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Ein erster Unterschied
Angst fühlt sich oft so an, als würde sie alles in dir gleichzeitig erfassen. Wenn du genauer hinschaust, ist das vielleicht nicht ganz so.
- Manche Bereiche reagieren stark.
- Andere weniger.
Oft braucht dieser Schritt ein bisschen Übung. Das ist okay.
Mini-Reflexion
Was verändert sich, wenn du deine Angst so betrachtest?
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Max und die wilden Kerle
Es ist wie in dem Kinderbuch Max und die wilden Kerle.
Max trifft auf wilde, laute, unberechenbare Wesen. Zuerst erschrecken sie ihn. Die Monster verschwinden nicht.
Sie bleiben wild. Was sich verändert, ist etwas anderes:
Max läuft nicht mehr nur vor ihnen weg. Er stellt sich ihnen. Und beginnt, sich anders zu ihnen zu verhalten.
Er ist ihnen nicht mehr vollständig ausgeliefert.
Vielleicht ist es mit unseren inneren Reaktionen ähnlich.
Die Angst muss nicht verschwinden. Aber sie muss auch nicht alles in dir bestimmen. Vielleicht geht es auch gar nicht darum, vollständig ruhig zu werden. Sondern wahrzunehmen, dass es in dir unterschiedliche Bereiche gibt.
Bei akuter Angst
Dann lies nur das, das reicht für jetzt:
- Schau dich kurz im Raum um und nenne 3 Dinge, die du siehst.
- Drück deine Füße leicht in den Boden oder drück deine Hände gegeneinander.
(Info: Ich bin hier – nicht im Szenario im Kopf)
- Sag innerlich: „Ich habe Angst.“
(Info: wenn du das Gefühl benennst, verändert es sich bereits im Gehirn.
- Gibt es irgendwo in dir einen kleinen Bereich, der nicht so angespannt ist?
(Info: Vom diffusen Gefühl hin zu konkreten Wahrnehmungen. Ein Teil erlebt Angst, ein anderer Teil kann sie wahrnehmen. Feel it, but don´t become it)
Inseln des Friedens finden
Vielleicht muss am Ende nicht alles ruhig sein. Vielleicht reicht es, einen kleinen Bereich zu finden, der gerade bewohnbar ist. Ein Moment, der nicht ganz so eng ist. Ein Atemzug, der ein wenig mehr Raum hat.
Nichts Großes.
Nichts Dauerhaftes.
Aber etwas, das für jetzt da ist. Und manchmal zeigt sich so etwas nicht nur in uns, sondern auch im Alltag.
In einem kurzen Gespräch. In jemandem, der innehält. In einer kleinen Geste, die nicht im gleichen Tempo mitgeht
wie der Rest der Welt.
Nicht als Lösung. Aber als etwas, das gleichzeitig existiert. Und manchmal beginnt genau dort so etwas wie Halt.